
iris welker-sturm
Rezensionen und Stimmen
zum Roman »aus der stimmhaft«
»Es ist dir gelungen, Luise Büchner vor allem in ihrem Umfeld und vor dem
historischen Hintergrund lebendig darzustellen. Auch die Geschwister
werden gut sichtbar. Und erst recht die Gutzkows. Ein lesenswertes
Darmstadtbuch; obwohl es doch schon so viele gibt, füllt es eine Lücke.«
Dr. Fritz Deppert
Darmstädter Echo, Johannes Breckner
P-StadtKulturMagazin, Frank Schuster
Faust Kultur, Susanne Konrad
Aus der Laudatio zur Verleihung des Dr.Dagmar-Morgan-Preises:
Iris Welker-Sturm ist Wortstellerin. Sie nimmt Worte und Weltbilder in den Blick und stellt
sie zur Rede: wortwörtlich, bildhaft, lauthals, be- und angreifbar. Mit weiblichem Blick
betrachtet sie traditionelles Rollenverhalten und bringt die weibliche Stimme zu Gehör.
Ihre literarischen Frauenfiguren setzen sich kritisch und selbstironisch mit ihrer
Lebenssituation auseinander, ohne je larmoyant zu werden. Die lange Zeit übersehene
Leistung von Frauen in der Geschichte wird neu beleuchtet; an konkreten Beispielen wird
deutlich, wie Frauen zu einer eigenen Stimme finden. Dabei rückt die Literatin vor allem
die Sprache und ihre Wirkung in unser Bewusstsein. Die Skala reicht von abwertender,
ausgrenzender und egomanischer Sprache bis zu selbstkritischen und spielerischen
Varianten. Die Basis ihrer Arbeiten ist sowohl Traummaterial, Umgangssprache und deren
Analyse sowie Versprecher und Verschreiber.
Der Schriftsteller Kurt Drawert sagt zu ihrer Lyrik:
„Die Gedichte von Iris Welker-Sturm sind Sprachkörper, mehr Objekte als semantische
Felder, die Objekte beschreiben. In ihnen findet eine Überlagerung statt, die alle Künste
miteinander zu verbinden scheint: bildnerisches Sehen, musikalisches Hören und
poetisches Erzählen. Dabei antwortet die Sprache oft auf sich selbst und sorgt für
Überraschungen. Dann wieder endet das Spiel und zeigt seinen Ernst, der den Texten
stets unterlegt ist.“
Aus einem Interview für RadioRadar von Helmut Müller:
Damit die Texte nicht nur schnell überflogen oder akustisch wahrgenommen werden, hat
die Wortstellerin die Serie <Worte an die Wand> entwickelt sowie ihre meist interaktiven
Textobjekte, die zu einem direkten Austausch mit dem Publikum führen. Neben den
sprachspielerischen <uni verses>, <Gabentisch> und dem Konzeptprojekt <menschen &
rechte>, das mit jugendlichen Migrant!nnen erarbeitet wurde, ist hier das Textobjekt
<Beitrag> zu erwähnen, das Teil der GEDOK-Ausstellung zum 100. Geburtstag von Meret
Oppenheim war. Auch die interaktiven Werke zur Veranstaltung <trAgil – von dem, was
trägt>, bei denen es um tragende Sätze und ihre Wirkung geht, gehören dazu. Zu 100
Jahre Frauenwahlrecht hat die GEDOK FrankfurtRheinMain im Rahmenprogramm der
Ausstellung ‚Damenwahl!‘ des Historischen Museums Frankfurt fünf Events entwickelt; mit
dem Textkonzert <stimm haft> mit zeitgenössischen Suffragettenliedern, Operetten,
Zitaten und aktueller Lyrik von Iris Welker-Sturm touren das Ariadne-Projekt-Ensemble,
Theresa Buschmann und die Wortstellerin seither durch Südhessen. Aktuell spürt die
Künstlerin Luise Büchner nach, die zu Lebzeiten weitaus berühmter war als ihr Bruder
Georg und zumindest an der Verbreitung seiner Werke nicht unbeteiligt. Der
Biografieroman mit dem Titel <aus der stimmhaft> zeigt, wie Luise Büchner, die kleine
Schwester, ihren Bruder groß macht und dabei ihre eigene Stimme entwickelt, wie Brüder,
Familie und patriarchale Gesellschaft versuchen, sie zu übergehen und zu überstimmen
und wie sie sich schließlich doch Gehör verschafft, öffentlich, publizistisch und nach dem
Tod des Vaters auch literarisch.
Die Schriftstellerin Barbara Fischer schreibt dazu in ihrem Blog:
„In ihrem Buch beschreibt Iris Welker-Sturm (Foto) die Entwicklung einer Frau in der
Restaurationszeit des Biedermeier und Vormärz. Eine Entwicklung, die von ihrer Zeit
geprägt wurde und die umgekehrt ihre Zeit prägte. (Iris Welker-Sturm) Eine Frau
entwickelte sich unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen immer in Reflektion
auf Männer. Denn Frauen wurden damals nicht gehört, hatten kein Recht auf Bildung,
durften nicht studieren, sich überhaupt nicht politisch betätigen, nicht wählen
(Frauenwahlrecht gab es erst seit 1918), nicht alleine leben, nicht…etc pp. Ein Dasein,
eingerahmt von Verboten und Konventionen war es, das Luise Büchner auf sanfte Art
aufsprengen wollte, ja musste. Sie war körperbehindert und klug. Für eine solche Frau
würde sich kein Mann finden, der sie versorgte. Eine Revolutionärin war sie nicht, und
doch schaffte sie es, sich Gehör zu verschaffen, sich für andere Frauen einzusetzen,
publizistisch, praktisch und nach dem Tod des Vaters auch literarisch.
Ihr Gedicht Die Buche beschreibt im Bild des Efeu, wie sich die Frau an den starken Mann
anlehnt. Nach damaligem Dafürhalten waren Frauen nicht schöpferisch, wie es ein
Weggefährte Luise und Georg Büchners, Karl Gutzkow, ausdrückte. Gutzkow verhalf
Georg Büchners erstem Theaterstück zur Veröffentlichung. Doch es gibt Stimmen, die
beteuern, ohne Luise Büchner wäre Georg Büchners Werk nach dessen frühem Tod 1837
der Nachwelt nicht erhalten geblieben. Der Umfang ihres Einsatzes bleibt im Nebel der
Geschichte.
Iris Welker Sturm erzählt Luise Büchners Rolle bei der Überlieferung von Georgs Werk
neu, sodass ihre innere Entwicklung und die gesellschaftlichen Verhältnisse sichtbar
werden:
Ein Entwicklungsroman, ein Zeitporträt und manch neuer Blick auf die Büchners.*
