Darstellung der Arbeit der Künstlerin

Iris Welker-Sturm ist  Wortstellerin. Sie nimmt Worte und Weltbilder in den Blick und stellt sie zur Rede: wortwörtlich, bildhaft, lauthals, be- und angreifbar. 

Mit weiblichem Blick betrachtet sie traditionelles Rollenverhalten und bringt die weibliche Stimme zu Gehör. Ihre literarischen Frauenfiguren setzen sich kritisch und selbstironisch mit ihrer Lebenssituation auseinander, ohne je larmoyant zu werden. Die lange Zeit übersehene Leistung von Frauen in der Geschichte wird neu beleuchtet; an konkreten Beispielen wird deutlich, wie Frauen zu einer eigenen Stimme finden. Dabei rückt die Literatin  vor allem die Sprache und ihre Wirkung in unser Bewusstsein. Die Skala reicht von abwertender, ausgrenzender und egomanischer Sprache bis zu selbstkritischen und spielerischen Varianten. Die Basis ihrer Arbeiten ist sowohl Traummaterial, Umgangssprache und deren Analyse sowie Versprecher  und Verschreiber.

Der Schriftsteller Kurt Drawert sagt zu ihrer Lyrik: 

„Die Gedichte von Iris Welker-Sturm sind Sprachkörper, mehr Objekte als semantische Felder, die Objekte beschreiben. In ihnen findet eine Überlagerung statt, die alle Künste miteinander zu verbinden scheint: bildnerisches Sehen, musikalisches Hören und poetisches Erzählen. Dabei antwortet die Sprache oft auf sich selbst und sorgt für Überraschungen. Dann wieder endet das Spiel und zeigt seinen Ernst, der den Texten stets unterlegt ist.“  

 

Damit die Texte nicht nur schnell überflogen oder akustisch wahrgenommen werden, hat die Wortstellerin die Serie <Worte an die Wand> entwickelt sowie ihre meist interaktiven Textobjekte, die zu einem direkten Austausch mit dem Publikum führen.  Neben den sprachspielerischen <uni verses>, <Gabentisch> und dem Konzeptprojekt <menschen & rechte>, das mit jugendlichen Migrant!nnen erarbeitet wurde, ist hier das Textobjekt <Beitrag> zu erwähnen, das Teil der GEDOK-Ausstellung zum 100. Geburtstag von Meret Oppenheim war. Auch die interaktiven Werke zur Veranstaltung <trAgil – von dem, was trägt>, bei denen es um tragende Sätze und ihre Wirkung geht, gehören dazu. Zu 100 Jahre Frauenwahlrecht hat die GEDOK FrankfurtRheinMain im Rahmenprogramm der Ausstellung ‚Damenwahl!‘ des Historischen Museums Frankfurt fünf Events entwickelt; mit dem Textkonzert <stimm haft> mit zeitgenössischen Suffragettenliedern, Operetten, Zitaten und aktueller Lyrik von Iris Welker-Sturm touren das Ariadne-Projekt-Ensemble, Theresa Buschmann und die Wortstellerin seither durch Südhessen. Im Frühjahr sind weitere Aufführungen geplant, u.a. zum Ida-Dehmel-Salon in Weimar.

Aktuell spürt die Künstlerin Luise Büchner nach, die zu Lebzeiten weitaus berühmter war als ihr Bruder Georg und zumindest an der Verbreitung seiner Werke nicht unbeteiligt. Der Biografieroman mit dem Titel <aus der stimmhaft> zeigt, wie Luise Büchner, die kleine Schwester, ihren Bruder groß macht und dabei ihre eigene Stimme entwickelt, wie Brüder, Familie und patriarchale Gesellschaft versuchen, sie zu übergehen und zu überstimmen und 

wie sie sich schließlich doch Gehör verschafft, öffentlich, publizistisch und nach dem Tod des Vaters auch literarisch.

Der Roman wurde mit einem Arbeitsstipendium vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert und ist für das Herbstprogramm 2020 rechtzeitig zu Luise Büchners 200. Geburtstag beim Ulrike Helmer Verlag geplant. Die Schriftstellerin Barbara Fischer schreibt dazu nach einer Lesung mit Publikumsgespräch in ihrem Blog: 
 

„In ihrem Buch beschreibt Iris Welker-Sturm (Foto) die Entwicklung einer Frau in der Restaurationszeit des Biedermeier und Vormärz. Eine Entwicklung, die von ihrer Zeit geprägt wurde und die umgekehrt ihre Zeit prägte. (Iris Welker-Sturm) Eine Frau entwickelte sich unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen immer in Reflektion auf Männer. Denn Frauen wurden damals nicht gehört, hatten kein Recht auf Bildung, durften nicht studieren, sich überhaupt nicht politisch betätigen, nicht wählen (Frauenwahlrecht gab es erst seit 1918), nicht alleine leben, nicht…etc pp. Ein Dasein, eingerahmt von Verboten und Konventionen war es, das Luise Büchner auf sanfte Art aufsprengen wollte, ja musste. Sie war körperbehindert und klug. Für eine solche Frau  würde sich kein Mann finden, der sie versorgte. Eine Revolutionärin war sie nicht, und doch schaffte sie es, sich Gehör zu verschaffen, sich für andere Frauen einzusetzen, publizistisch, praktisch und nach dem Tod des Vaters auch literarisch.

Ihr Gedicht Die Buche beschreibt im Bild des Efeu, wie sich die Frau an den starken Mann anlehnt. Nach damaligem Dafürhalten waren Frauen nicht schöpferisch, wie es ein Weggefährte Luise und Georg Büchners, Karl Gutzkow, ausdrückte. Gutzkow verhalf Georg Büchners erstem Theaterstück zur Veröffentlichung. Doch es gibt Stimmen, die beteuern, ohne Luise Büchner wäre Georg Büchners Werk nach dessen frühem Tod 1837 der Nachwelt nicht erhalten geblieben. Der Umfang ihres Einsatzes bleibt im Nebel der Geschichte.

Iris Welker Sturm erzählt Luise Büchners Rolle bei der Überlieferung von Georgs Werk neu, sodass ihre innere Entwicklung und die gesellschaftlichen Verhältnisse sichtbar werden:

Ein Entwicklungsroman, ein Zeitporträt und manch neuer Blick auf die Büchners.“

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